Im Dialog mit der Haut

Prof. Dr. med. Urs Pohlman

 

Urs Pohlman, dem Gründer und Entwickler der ananné Wirkstoffkosmetik, ist es ein Anliegen, der Haut nachhaltig etwas Gutes zu tun. In diesem Blogbeitrag erklärt der Experte die Eigenschaften unserer Haut und wie ein Dermatologe mit ihr in den Dialog tritt.

Unser grösstes Organ

Die Haut ist das grösste Organ des menschlichen Organismus. Dem möchte ich als Arzt der Integrativen Medizin Rechnung tragen und stehe dabei seit vielen Jahren in engem Dialog mit der Haut.

Die Haut ist nicht nur unser grösstes sondern auch das «selbstverständlichste» Organ, das heisst wir nehmen vieles als gegeben an, ohne uns tiefere Gedanken über die Funktion und Leistungsfähigkeit zu machen. Die Haut «funktioniert einfach». Das spielt auch in die Pflege der Haut hinein. Wie manches scheinbar Offensichtliche wird die Haut oft unterschätzt, geradezu «übersehen». Sie bildet mit rund zwei Quadratmetern (bei einem normalgrossen Erwachsenen) seine Oberfläche und trägt eine Vielzahl von lebenswichtigen Funktionen auf dichtem Raum.

Sie bildet die Grenze des Organismus nach Aussen, ist Sinnesorgan, dient der Temperaturregulation und ist ein wichtiges Glied im Immunsystem. An der Haut ist für den geübten Blick so viel ablesbar, dass man geradezu von einem Fenster in das Innere des Organismus sprechen kann. Als praktizierender Arzt analysiere ich bei der Anamnese u.a. auch die Gesichtshaut, da Emotionen (Verspannungen) und Hauterkrankungen vor allem im Gesicht eng mit sichtbaren physiologischen und psychischen Regungen verbunden sind.

Ein Gesicht kann Bände sprechen

Das Gesicht selbst ist eine einzigartige Region des Körpers. Kein Lebewesen drückt sich wie der Mensch über sein Gesicht aus. Die Beweglichkeit des Gesichts dient dem eigenen Ausdruck und der Kommunikation.

Es ist deshalb naheliegend, der Gesichtshaut besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Dabei fällt auf, dass in der Bevölkerung Hauterkrankungen innerhalb der vergangenen Jahrzehnte erheblich zunehmen und dies mit einer scheinbar besseren Versorgung «zivilisierter und wohlhabender» Gesellschaften korreliert. Einige Gründe hierfür sind bereits bekannt – beispielsweise ein zu geringer Sonnenschutz oder eine falsche Pflege – und könnten verhältnismässig leicht behoben werden. Dies setzt eine gewisse Verhaltensänderung voraus, vergleichbar mit der Sensibilität für die Qualität und Herkunft von Nahrung, was in den meisten Bevölkerungsgruppen bereits deutliche Fortschritte gemacht hat.

Die meisten Verhaltensweisen erfordern keinen grossen Aufwand. Vieles wird unmittelbar verständlich, wenn man etwas über die eigene Haut und ihre Funktion weiss oder ihr einfach bei der täglichen Pflege etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt. So ist es nur gerechtfertigt, dass man als Konsument ein Recht hat zu wissen, was in dem grossen Angebot von Pflegeprodukte drinsteckt.

Hauttyp und Hautzustand

Die Haut ist ein selbständiges Organ wie Nieren, Herz und Lunge. Sie ist ein Wunderwerk der Natur und funktioniert einfach. In der Dermatologie wird zwischen Hauttyp und Hautzustand unterschieden, welche durch äussere und innere Einflüsse beeinflusst werden.

Die Haut steht in enger Korrelation mit dem Verdauungssystem: stimmt etwas im Margen-Darmtrakt nicht, wird dies beispielsweise über unreine oder leicht entzündliche Haut spür- und sichtbar.

Deshalb ist es wichtig der Haut auch bei der Pflege besondere Aufmerksamkeit zu widmen, seinen Hauttyp und den Hautzustand zu analysieren und zu kennen.

Mit dem Hauttyp wird die genetische Disposition auch unter Berücksichtigung des jeweiligen Lebensalters bezeichnet. Bei der Einteilung des Hauttyps orientieren wir uns an der Menge des in der Haut individuell produzierten Pigment Melanins. Melanin absorbiert UV-Licht und verhindert, dass UV-Licht in die Dermis (=tiefer gelagerte Hautschicht) vordringt.

Das in der Haut eingelagerte Melanin kann das UV-Licht jedoch nicht vollständig absorbieren. Die natürliche Schutzzeit wird bei jedem Hauttyp unterschiedlich bezeichnet.

Typ

Hautfarbe

Haarfarbe

Augen

Besonderheit

Natürliche Schutzzeit

Keltisch

Sehr hell

Hellblond,

rötlich

Blau, grün, hellgrau

Verbreitet Sommersprossen,

kaum Bräunung

< 10 Minuten

Nordisch

Hell

Blond,

hellbraun

Blau, grün,

grau

Häufig Sommersprossen,

geringe Bräunung

10-20 Minuten

Mischtyp

Mittel

Hell bis dunkelbraun, schwarz

Blau, grün, grau, braun, dunkel

Langsame Bräunung,

helle Brauntöne

20-30 Minuten

Mediterran

Bräunlich, olivfarben

Braun bis schwarz

Braun

Schnelle Bräunung,

mittlere Brauntöne

>60 Minuten

Dunkel

Dunkel

Schwarz

Dunkel bis schwarz

Schnelle Bräunung,

dunkle Brauntöne

>60 Minuten

Schwarz

Dunkelbraun bis schwarz

Schwarz

Dunkel

Kaum sichtbare Zunahme der Pigmentierung

>90 Minuten

 

Der Hautzustand ergibt sich aus der momentanen Situation des Organismus (endogen = von innen kommend) und den äusseren (exogenen) variablen Faktoren. Wir unterscheiden in der Regel die sogenannte T-Zone (Stirne und Nase) und die Wangenpartie. Dabei können die Merkmale verschieden stark ausgeprägt sein und variieren je nach Faktoren wie Klima oder Hormonstatus.

Natürlich spielen auch die Quantität und Qualität der Talgproduktion und die Veranlagung jedes Einzelnen eine beachtliche Rolle. Beim Hautzustand handelt es sich um Momentaufnahmen, die sich nach Veränderung der Faktoren wieder normalisieren oder verstärken können.

Hautzustand

Charakter

Empfindlichkeit

Normal

Unkompliziert, ausgeglichen, im Winter eher trocken

Keine

Mischhaut

Ölige T-Zone, trockene Wangenpartie

Mittel

Ölig

Verstärkte Talgproduktion, Grössere Hautporen und dickeres Hautrelief

Hoch

Trocken

Zart und feinporig, geringe Talgproduktion, schwache Bindungsfähigkeit mit Wasser

Hoch

Sensibel

Rötungen, Schwellungen, Ekzeme

Sehr hoch

Reif
(ab 45 Jahren)

Tiefere Bildung von Linien und Falten, nachlassende Spannkraft und merklicher Elastizitätsverlust, Störung der gleichmässigen Verteilung von Melanin (Altersflecken)

Sehr hoch

  

Bei der Hautpflege von ananné sprechen wir auch von Phytomedizin. Das heisst, dass man mit pflanzlichen Wirkstoffen arbeitet. Ich finde es faszinierend, dass Pflanzen bestimmte Substanzen bilden, die mit Prozessen im Menschen in Verbindung stehen und auf ihn positiv wirken.

Die unterschiedlichen Hautschichten

In der Haut lassen sich drei Schichten unterscheiden: Die sichtbare Oberhaut, die darunter liegende Lederhaut und die tiefer gelegene Unterhaut. Die oberflächliche Epidermis (Oberhaut), die darunter liegende Dermis (Lederhaut) und die tiefer gelegene Subcutis (Unterhaut). Jede Schicht verfügt über besondere Eigenschaften und Funktionen. Zur Haut gehören verschiedene Drüsen (Talg- und Schweissdrüsen), und sämtliche Haare sowie Finger- und Fussnägel.

Was erst einmal wie eine Vielzahl unterschiedlicher Einzelheiten wirkt, ist vielmehr ein fein aufeinander abgestimmtes Ensemble an Vorgängen, die sich ausgleichend zwischen den Innenzustand des Organismus und den Bedingungen der Umgebung stellen und ausgleichend zu vermitteln. In der Summe laufen alle Prozesse auf die Erhaltung des Gesamtorganismus hinaus und dies, indem das Gleichgewicht aller Lebensprozesse des Organismus stabilisiert wird. Die Haut hat dabei ein erstaunliches Vermögen tendenzielle Abweichungen oder Belastungssituationen abzupuffern und damit den Organismus stabil zu halten.

Epidermis

Sie wird auch Oberhaut oder Hornhaut genannt und ist neben dem mechanischen Schutz für die Feuchtigkeitsregulation zuständig.

Sie reguliert den Wasserverlust durch die Haut, den trans-epitherlialen Wasserverlust, der für die ergänzende Hautpflege eine wichtige Orientierung darstellt. Liegt der Wasserverlust höher als die aus der Dermis nachkommende Feuchtigkeit, trocknet die Hautoberfläche aus. Stellenweise verhärtet sich dann die Hornschicht der Haut oder kann sogar einreissen, weil sie ausgetrocknet an Elastizität verliert.

Diese Schicht ist nicht durchblutet und ihre unteren Schichten werden durch die darunter liegenden Zellschichten der Dermis mit Nährstoffen versorgt.

Die Epidermis zeigt ein leicht saures Milieu um einen pH von 5,5, der individuell leicht variiert. Auf der Oberhaut siedeln Bakterien. Diese Bakterien schädigen die Haut nicht, sondern schützen sie im Gegenteil vor der Ansiedlung möglicherweise schädlicher Keime. Sie halten das Angebot von Nährstoffen niedrig, so dass fremde Bakterien relativ ungünstige Lebensfaktoren vorfinden. Damit stabilisieren sie die Hautumgebung und stellen einen Bestandteil des Immunsystems dar.

Dermis

Sie wird auch Corium oder Lederhaut genannt. Zu den Hauptfunktionen der Dermis gehören die Aufnahme der Sinnesreize und der Stoffwechsel, vor allem aber die Temperaturregelung. Die Aufnahme und Verarbeitung von Nährstoffen und regenerative Prozesse
in den Zellen spielen in dieser Hautschicht eine zentrale Rolle. Ein Netz, aus elastischen Bindegewebsfasern und dem Kollagen, bildet die Grundstruktur der Dermis. Sie ist durch fein verzweigte Äderchen, einem Kapillarnetz, durchblutet.

In dieser Schicht kommt auch die natürlich im Körper gebildete Hyaluronsäure vor, bei der es sich um Zuckerarten handelt, die Wasser binden und damit eine volumenfüllende Eigenschaft haben. Die Hyaluronsäure gehört damit zu den das Hautrelief von innen ausfüllenden Substanzen.

Subcutis

Die Unterhaut besteht aus einem lockeren Bindegewebsnetz, in das vorwiegend Fettzellen eingelagert sind, wobei man zwischen Baufett und Depotfett unterscheidet.

Depotfett sind Nahrungsreserven, während das Baufett funktionelle Eigenschaften (beispielsweise in der Abfederung in der Fusssohle), hat und anatomisch vom Körper auch in Hungerphasen erst sehr spät abgebaut wird. Die wärmeisolierende Eigenschaft des Körperfetts hat vor allem in kalten Lebensumfeldern (beispielsweise in nördlichen Breitengraden) eine wichtige Funktion.

Strukturell ist das Unterhautgewebe nicht sehr komplex und zeigt einen engen Bezug zum Stoffwechsel des Gesamtorganismus, der Verdauung. Energiereserven lagert der Organismus im Depotfett ein.

Auch in der Unterhaut gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede, einerseits in der Fettverteilung sichtbar am unterschiedlichen Körperbau und andererseits am Einfluss des «weiblichen» Hormons Östrogen auf die Gewebestruktur. Diese Hormonwirkung zeigt sich schliesslich in der Cellulite, die überwiegend Frauen betreffen. 

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